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Blick über den Tellerrand
Von Katharina Knopp und Andreas Herrmann



In Deutschland werden jährlich fast 500 Millionen Nutztiere geschlachtet. Der allergrößte Teil dieser Tiere stammt aus der industriellen Intensivmast, deren Protagonisten unbeirrt auf Expansion drängen, obwohl bei uns bereits viel zu viel Fleisch produziert wird.

Das Emsland nimmt bei der Massentierhaltung bundesweit eine Spitzenstellung ein. Doch nur vereinzelt regt sich Protest von Bürgerinnen und Bürgern, die durch die entstehenden »Emissionen« eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität hinnehmen müssen. Landwirte fürchten derweil durch die immer zahlreicher werdenden Mastanlagen weiter fallende Erlöse beim Fleisch, Anbieter von Fremdenzimmern das Fernbleiben der Touristen. Im Genehmigungsverfahren um geplante Stallneubauten werden die Umweltverbände schon lange nicht mehr zu Rate gezogen.


Das Schnitzel und der Urwald

Katastrophal sind die Auswirkungen der Massentierhaltung für Mensch und Natur in weit entfernten Ländern.

Laut Greenpeace führt Deutschland jährlich drei Millionen Tonnen Soja ein, eine fett- und eiweißreiche Hülsenfrucht, die als billiges Futter im Trog von Schwein, Rind und Huhn landet.

Hauptproduzenten der fast ausnahmslos gentechnisch veränderten Bohnen sind vor allem Brasilien, Argentinien und Paraguay. Diese Länder exportieren Soja, um ihre Zinslast zu decken, während die eigene Bevölkerung hungert. Bei uns wird das Lebensmittel dann durch die so genannte »Veredelung« auf ein Siebtel seines Nährwertes reduziert.

Die Sojabohne wird in Monokulturen angebaut, die ein hohes Maß an Düngung erfordern und innerhalb von ein bis zwei Jahrzehnten selbst besten Boden völlig auslaugen.

Der massenhaften Rinderzucht und dem fortschreitenden Soja-Anbau in Brasilien ging und geht die Rodung von Abermillionen Hektar Regenwaldes voraus. Die Produktion führt also zur Umweltzerstörung mit wahrscheinlich fatalen Folgen für das globale Klima – und ist gleichzeitig Ursache sozialer Konflikte und massiver Menschenrechtsverletzungen: Zehntausendfach wurden Angehörige der indigenen Bevölkerung gewaltsam und widerrechtlich von ihrem Land vertrieben und unter unwürdigsten Bedingungen wie Sklaven zur Arbeit bei den Rodungen gezwungen.

Bereits 2005 berichtete die tagesschau, dass seit Mitte der 1980-er Jahre über 1400 Menschen – unter ihnen zahllose Regenwaldschützer und Führer der Landrechtsbewegung – auf Geheiß der an Holz, Fleisch oder Soja verdienenden Firmen ermordet wurden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisiert, dass die brasilianische Justiz diese Verbrechen in den allermeisten Fällen ignoriert und die Täter straffrei ausgehen.


Europa überrollt afrikanische Kleinbauern

Auch der »schwarze Kontinent« hat unter der ausufernden Fleischproduktion der reichen Industrieländer zu leiden.

Nach einem Bericht von Brot für die Welt hat die deutsche Fleischindustrie im Jahr 2012 nunmehr 42.000 Tonnen Hähnchenfleisch nach Afrika exportiert – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr! Fleisch, das z.B. auf den Märkten in Ghana für 80 Eurocent pro Kilo angeboten wird.

Die einheimischen Bauern können mit den inakzeptablen Dumpingpreisen der Fleisch- und Milchprodukte aus Europa nicht konkurrieren und sind zur Aufgabe gezwungen.

Nach Angaben des evangelischen Entwicklungsdienstes haben die europäischen Fleischexporte bereits Hundert-
tausenden Viehzüchtern die Existenzgrundlage entzogen; deren Familien mit eingerechnet, wurden so Millionen Menschen in die Armut entlassen.


Katharina Knopp ist Sprecherin des Meppener Eine-Welt-Kreises. – Andreas Herrmann ist aktives Mitglied von Amnesty International.

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